LifeTrust

Entwicklungen bei den LifeTrust-Fonds

Seit 2004 hat die BAC diverse LifeTrust-Fonds aufgelegt, an denen sich über 8.000 Anleger beteiligt haben. Zumindest die ersten Fonds hat die BAC mit Erfolg aufgelöst. Allerdings dürften diese Erfolge zulasten späterer Fonds gegangen sein. Bereits im August 2008 äußerte der Anlegerschützer Heinz Gerlach den Verdacht, „dass die BAC bei ihren US-Lebensversicherungs-Fonds ein modifiziertes Schneeball-System betreibt.“ Im Verkaufsprospekt des LifeTrust 14 dargestellte Interessenkonfliktrisiken ließen laut Gerlach darauf schließen, dass Policen von einem Fonds an einen anderen verkauft werden. Auf die Frage von Gerlach, ob die verkauften Policen an dritte Fremde oder an von der BAC aufgelegte Fonds verkauft wurden, antwortete die BAC: „Wir verkaufen unsere Policen auf einem liquiden, weltweiten Markt an externe Investoren.“ BAC zog sogar vor Gericht: „Die von BAC initiierten US-Lebensversicherungsfonds handeln untereinander nicht mit US-Policen aus ihrem jeweiligen Portfolio.“

Dass diese Antwort aber nicht unbedingt der Wahrheit entspricht, zeigen Recherchen der renommierten Journalisten Tilman Welther und Renate Daum. Die Grafiken in der Financial Times Deutschland, in der Fondszeitung und in Börse Online zeigen eindeutig, dass es Fonds-zu-Fonds-Transaktionen gab. Und die waren nicht unbedingt zum Vorteil der Anleger der kaufenden Fonds. Denn: „Es gab Aufschläge. Bei einer Transaktion zwischen dem Fonds Life Trust One und dem Fonds Life Trust 11 im Dezember 2007 schlug die Zwischengesellschaft Life Value Creations knapp 1,3 Mio. Dollar auf. […] Bei einem Geschäft vom 6. November 2006 fielen 2,2 Mio. Dollar Differenz an. Gut 1 Mio. Dollar davon stellten drei Gesellschaften aus dem BAC-Umkreis für Beratung in Rechnung. Zudem war der Chef und Gesellschafter der Zwischengesellschaft Settlement Acquisitions zugleich Chef des BAC-US-Geschäfts. Es war eines der Geschäfte, bei denen BAC von Verkäufen an „institutionelle US-Investoren“ gesprochen hatte“, schreibt die FTD.

FTD_Grafik Fonds-zu-Fonds-Transaktionen
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„BAC hat die Transaktionen von Policen von Fonds zu Fonds systematisch verschleiert und zum eigenen Vorteil genutzt“, schreibt daher Tilman Welther.

Ein weiteres Beispiel: 2005 legte die BAC die beiden Zero Bonds „Life Trust Investment 1“ und „Life Trust Investment 2“ auf. Mit der Auflösung der Fonds Ende 2006 bzw. Anfang 2007 erhielten die Anleger „eine Vorsteuerrendite von 12 Prozent per annum“ (LTI1) bzw. „eine Vorsteuerrendite von 13 Prozent per annum“ (LTI2) – „nach dem Verkauf der Policen an einen US-amerikanischen Trust und institutionelle Investoren“, wie es in der Pressemitteilung der BAC vom 19. Februar 2007 heißt.

Sehr erfreulich für diese Anleger. Doch auch hier dürften Fonds-zu-Fonds-Transaktionen ihren Anteil haben und die Rendite damit zulasten anderer BAC-Anleger gegangen sein. Die Fondszeitung verfolgte den Weg einer Police aus dem Portfolio des LTI2. „ Die Police ist jedoch nicht an einen externen Dritten, sondern an eine Zwischengesellschaft verkauft worden, die den Kaufpreis mit Geldern des Life Trust Premium 5 entrichtete.“ Im Anschluss wanderte diese Police durch 2 weitere Fonds, an die sie jeweils über Zwischengesellschaften – mit zum Teil deutlichen Zwischengewinnen – verkauft wurde, ehe sie 2008 im Life Trust Asset Pool (LTAP) landete. „Auf ihrem Weg in den LTAP ist sie nie unter echten Dritten gehandelt worden.“

Fondszeitung_Grafik Fonds-zu-Fonds-Transaktionen

Dieses Vorgehen führte mittlerweile im LifeTrust 6 zu einer Verurteilung von Stefan Beiten wegen Prospekthaftung im weiteren Sinne. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt, es ist nicht rechtskräftig.

Im Jahr 2008 gründete die BAC dann den Life Trust Asset Pool, in den die 8 noch laufenden Fonds ihre Policen eingebracht haben. Im selben Jahr erhielt der LTAP eine Kreditlinie über 500 Millionen US-Dollar der Wachovia Bank für die Anschaffung und Verwaltung von US-Lebensversicherungspolicen. Doch obwohl das Geschäft mit Lebensversicherungspolicen ein langfristiges Geschäft ist und die Fonds, die ihre Policen in den LTAP eingebracht haben, eine Restlaufzeit über mehrere Jahre hatten, wurde die Kreditlinie mit einer Laufzeit von nur einem Jahr (!) vereinbart und auch die zwei Verlängerungsoptionen – so sie gewährt werden – hätten nur eine Laufzeit von jeweils einem Jahr gehabt. Die Laufzeit der hohen Kreditlinie stand somit in keinem Verhältnis zur Fondslaufzeit. Außerdem: „Die ursprünglichen Versicherungsnehmer lebten im Schnitt aber länger als erwartet“, schildert die FTD ein Problem der Policenfonds.

2010 scheiterten die Verhandlungen zur Verlängerung der Kreditlinie mit Wells Fargo und die Bank erhält nach Ablehnung des Chapter 11-Antrags endgültig Zugriff auf „rund 400 US-Lebensversicherungspolicen, nahezu das gesamte Vermögen der Lifetrust-Fonds“, wie die BAC am 21. Februar 2011 verkündet. „Damit droht mehr als 8000 Anlegern hierzulande der Totalverlust ihrer Einlage. Insgesamt stehen für sie 175 Millionen Dollar auf dem Spiel“, fasst das Manager Magazin am 21. Februar 2011 die Situation zusammen.

Im Zuge der gescheiterten Verhandlungen über die Verlängerung des Kreditrahmens beantragte das BAC-Fondsmanagement des Bereichs US-Lebensversicherungen für den Life Trust Asset Pool (LTAP)  Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts, um den Zugriff des Gläubigers (der Bank Wells Fargo) auf die Policen zu verhindern. Der Antrag auf Gläubigerschutz wurde vom US-Gericht aber abgelehnt, da das Gericht auf Basis des aktuellen Marktwerts des LTAP-Portfolios keine ausreichende Grundlage sah, um einen angemessenen Schutz des Hauptgläubigers Wells Fargo bei gleichzeitiger Finanzierung der laufenden Versicherungsprämien zu gewährleisten.

Im März 2012 übrigens warb die Geschäftsführung (Franz-Philippe Przybyl) diverser LifeTrust-Fonds um Gesellschafterdarlehen in sechsstelliger Höhe, wie u.a. die FTD berichtet. Den Fonds ginge das Geld aus und mit den Gesellschafterdarlehen solle der laufende Fondsbetrieb finanziert werden. Käme der Mindestbetrag nicht zustande, drohe den Fondsgesellschaften die Insolvenz.

Seitdem werden die LifeTrust-Fonds mit Gesellschafterdarlehen am Leben gehalten, mit denen die Kosten für die Geschäftsführung und sonstige Ausgaben bedient werden. Die drohende Insolvenz kann mittlerweile ausweislich des Fondsmanagementberichts nur durch weitere Gesellschafterdarlehen verhindert werden. Die Zinsen für ds erste Gesellschafterdarlehen werden übrigens mittlerweile nicht mehr gezahlt, wie der Bericht des Fondsmanagements für das Jahr 2012 zeigt. Erst wenn es weitere Einzahlungen gibt, würden die Zinsen wieder bedient. Auch das macht deutlich, dass den Fonds die Insolvenz drohen dürfte.

Übrigens: Bereits als das erste Gesellschafterdarlehen eingeworben wurde, ermittelte die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Franz-Philippe Przybyl wegen des Verdachts auf Kapitalanlagebetrug und Untreue jeweils in besonders schwerem Fall. Diese Ermittlungen, die bereits im September 2011 aufgenommen wurden, hat Franz-Philippe Przybyl allerdings beim Einwerben des Darlehens wohl bewusst verschwiegen. (Anmerkung: Die Ermittlungen wurden schließlich eingestellt, weil die Staatsanwaltschaft die Behauptungen der BAC-Gründer, es seien angemessene Bewertungen erfolgt, nicht ausreichend widerlegen konnte.)